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Bis 09.06.2019 Umbaupause!

Nächste Vernissage 10.06.2019:

 

Vernissage & Podiumsdiskussion mit
Eugen Gomringer, Josef Linschinger und Diet Sayler:
Mo., 10.06.2019, 15 Uhr

Begrüßung durch den Stiftungsvorsitzenden Bgm. Stefan Schwenk. Im Anschluss an die Vernissage wird Anke Zimmer (Leiterin der Kulturredaktion der Fuldaer Zeitung) durch die Podiumsdiskussion mit den Künstlern Eugen Gomringer, Josef Linschinger und Diet Sayler sowie den Kuratoren Günter und Peter Liebau führen.

Musikalisch wird die Veranstaltung begleitet durch das Duo
Pia-Maria Sauer (Kasseler Kunstpreis 2014) und Wolfgang Harling (Echo Preisträger 1994)

Für das leibliche Wohl wird der Förderverein Museum Modern Art Hünfeld e.V. sorgen.

Einladung "Gomringer-Linschinger-Sayler"(PDF)


Eugen Gomringer

Das Gedicht „avenidas“ von Eugen Gomringer aus dem Jahre 1951 gilt als Klassiker der Konkreten Poesie und als Anschauungsbeispiel für die von ihm entwickelte Technik der Konstellation.
Bildrechte: © Eugen Gomringer, Rehau

Eugen Gomringer (geboren 1925 in Cachuela Esperanza/Bolivien) gilt als Begründer der Konkreten Poesie, die seit den fünfziger Jahren im Zentrum seines künstlerischen Schaffens steht. Er arbeitete als Sekretär von Max Bill an der Hochschule für Gestaltung Ulm und war von 1977 bis 1990 Professor für Theorie der Ästhetik an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Gomringer war 1966 bis 1968 Mitglied des documenta-Rates zur documenta 4. Im „Offenen Buch der Stadt Hünfeld“, einem von Jürgen Blum initiierten Projekt, das sich über 148 Hauswände und Plätze in der ganzen Stadt erstreckt, ist Gomringer u. a. mit der Skulptur „Vokale“ auf dem Eugen-Gomringer-Platz vertreten.

„Die Konstellation ist eine Aufforderung, kein Rezept, weder formal noch thematisch, sie nennt die „allzu menschlichen“ sozialen und erotischen Probleme nicht. Wenn diese nicht im Leben gelöst werden können, gehören sie vielleicht in die Fachliteratur.“ (Zitat Eugen Gomringer)

2011 vergab die Alice-Salomon-Hochschule Berlin den Alice-Salomon-Poetik-Preis 2011 an Eugen Gomringer.Aus diesem Anlass brachte die Hochschule dieses Gedicht als Wandgestaltung an der Südfassade an.
Aufgrund einer fragwürdigen Initiative des AStA der Salomon-Hochschule wurde 2017 die Entfernung des Gedichts von der Fassade beschlossen, da es sexistische Inhalte vermittle. Daraus entstand ein öffentlicher Streit über Kunstfreiheit und feministische „Political Correctness“.

Die deutsche Übersetzung lautet:

Alleen
Alleen und Blumen
Blumen
Blumen und Frauen
Alleen
Alleen und Frauen
Alleen und Blumen und Frauen und
ein Bewunderer“


Josef Linschinger

Abb. oben:
Auch die Pythagoras-Plastik von Josef Linschinger wird im Museum Moden Art zu sehen sein. Die Aufnahme zeigt die Ausstellung „Josef Linschinger – Ziffer und Zahl in Form und Farbe“ im Mathematikum Gießen 2015;
Bildrechte: © Josef Linschinger, Traunstein/Österreich

Josef Linschinger (geboren 1945 in Gmunden, Österreich) gehört zu den Hauptvertretern der Konkreten Kunst sowie der visuell/konzeptuellen Poesie in Europa und hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten. Er studierte von 1970 bis 1975 an der Hochschule für Gestaltung Linz und hatte von 1975 bis 2003 einen Lehrauftrag an der Kunstuniversität Linz, zuletzt als Universitätsprofessor. Linschinger hatte seit 1981 über 60 Einzelausstellungen und ca. 40 Ausstellungen (bis fünf Teilnehmer) sowie mehr als 500 Ausstellungsbeteiligungen in den meisten europäischen Ländern sowie Israel, Japan, Kanada, Korea, Südafrika, der Sowjetunion und den USA.

Er war von 1990 bis 2009 Organisator der Gmundner Symposien für Konkrete Kunst mit internationaler Beteiligung. Auch Eugen Gomringer und Diet Sayler nahmen in diesen Jahren regelmäßig an den Gmundner Symposien teil. Linschinger arbeitete seit Ende der achtziger Jahre über einen großen Zeitraum sehr intensiv mit Jürgen Blum zusammen und war oft an dessen Projekten – wie dem „Offenen Buch“ – und Ausstellungen beteiligt. Er ist in Museen und Sammlungen wie dem Museum Mondriaanhuis (Amersfoort/NL) dem Museum of Contemporary Poetry (Kitakami/Japan) oder dem Mercedes Automuseum in Untertürkheim vertreten.

In Linschingers Visueller Poesie werden Worte als grafische Elemente wahrgenommen und schrittweise abstrahiert, bis sie als geometrische Formen die Bildfläche füllen oder in Farbcodes „übersetzt“ werden.
Mit Eugen Gomringer brachte Linschinger gemeinsame Editionen wie „trans/cross“ und Publikationen wie das „Stundenbuch“ heraus.

In seinem umfangreichen Werk beschäftigt sich Linschinger immer wieder mit den Themen Zahlen, Flächen, Farben, Codes, Text, Raum und Zeit. Seine Werke unterliegen meist strengen mathematischen Regeln und entstehen systematisch. Durch intensive Auseinandersetzung mit diesen Inhalten sind zahlreiche Serien wie „Sudoku“ entstanden.



Diet Sayler

Abb. oben:
Diet Sayler, „Engramm“, 2011, Eisenbahnbrücke, Wörder See, Nürnberg, Digitale Installation;
Bildrechte: © Diet Sayler, Nürnberg

Diet Sayler (geboren 1939 in Timisoara/Rumänien) fand aus Opposition zur politischen Realität und der Doktrin des sozialistischen Realismus den Weg zur Konkreten Kunst. Er studierte von 1956 von 1961 Hochbau und Malerei in Timisoara. Sayler emigrierte 1973 nach Deutschland und nahm 1975 seine Lehrtätigkeit in Nürnberg auf. Von 1992 bis 2005 war er Professor an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und ist u. a. in der Kunstsammlung des MoMA in New York vertreten.

(…) Allein schon aufgrund ihrer Dimension gewinnen die Farb-Körper, die „Bodies“, ungeachtet systematischer Konstruktion, eine neuartige Gestaltqualität und teilen sich, ihrer Tiefen wegen, als isoliertes Zeichen mit. (…) Entscheidend, im Unterschied zu den flächigen Installationen der „Norigramme“, ist die Dialektik von farbiger Oberfläche und Reliefkörper. (…)
Joachim Heusinger von Waldegg, Karlsruhe, 1998

(...) Sayler ist ein Maler, der das Bild von der Leinwand befreit und seine unregelmäßige „individualisierte Geometrie“ direkt auf die Wände in die große Welt gebracht hat. Die Überschreitung der Grenzen des konventionellen Atelier- und Galerieraums hat seine im hermetischen Diskurs der konstruktivistischen Abstraktion entdeckten und entwickelten kraftvollen Basis-Elemente zur Aktivierung der Oberflächen der alltäglichen Wirklichkeit direkt in die Umwelt gebracht. Sayler bringt in den offenen städtischen Raum mit
seinen Unterschiedlichkeiten und Vielfältigkeiten,
seinen Unordnungen und Entstellungen, seinen per­fekten Formen und gebrochenen Strukturen eine Kunst ein, die zentrale Bedeutung intuitiver Verfahren für einen humanen Entwurf bestätigt. (...)
Mel Gooding, London, 1998